Interview

Interview mit Johann Hofmann, Leiter Value Facturing der Maschinenfabrik Reinhausen GmbH

Welche Rolle spielt der Mensch noch in der digitalen Fabrik, in der die Roboter für uns arbeiten?

Die autonome, menschenleere Fabrik wird für eine lange Zeit noch Utopie bleiben. Und selbst dann wird der Mensch selbst noch eine tragende Rolle spielen. Auch bei autonomen Systemen, wie z. B. dem bald schon Realität werdenden selbstfahrenden Auto, hat der Mensch zahlreiche Einflussmöglichkeiten auf Assistenzsysteme.

Beschreiben Sie den Mitarbeiter in der Fabrik der Zukunft.

Nennen wir ihn einen „Augmented Operator“. IT-basierte Assistenzsysteme erweitern seine Sicht auf die Fabrik. Seine Aufgaben in allen relevanten Abläufen der Smart Factory sind: beobachten, verstehen, bewerten, entscheiden, verantworten. Er bedient sich mobiler Geräte, wird mit Datenbrille und Headset in Sekundenschnelle von jedem Ort der Welt in die Produktion eingreifen und Betriebs- und Produktzustände überwachen und steuern können. Damit er bei all diesen Möglichkeiten gelassen und souverän bleibt, verfügt er über fach- und funktionsübergreifendes Wissen und Denken.

Worin sehen Sie die größte Herausforderung bei Industrie 4.0 in Bezug auf die Mitarbeiter?

Die Industrie 4.0 erfordert einen Kulturwandel in den Unternehmen. Die autonome Produktion ermöglicht eine bisher nie gekannte Transparenz von Maschinen und Anlagen. Dadurch wird gleichzeitig die Leistung von Mitarbeitern transparenter. Es gilt zu vermitteln, dass diese Transparenz nicht dazu dient, den Menschen zu überwachen, sondern ihn durch konsequentes Aufzeigen von erkannten Engpässen und Störquellen zu unterstützen. Ein konstruktiver Umgang mit Fehlern motiviert Mitarbeiter und hilft, Prozesse weiter zu optimieren.

Wie lässt sich die Digitalisierung in den Unternehmen beschleunigen?

Seit dem Siegeszug des Computers in den Unternehmen wurde nahezu jeder Anwenderwunsch durch eine Sonderprogrammierung gelöst. Damit hat jede Fabrik ihren individuellen Prozess für eigentlich gleiche Arbeitsschritte. Diese firmenspezifischen Prozesse lassen sich nicht schnell genug in die digitale Welt überführen. Man muss liebgewordene Trampelpfade verlassen und standardisierte Lösungen übernehmen. Im Sinne der Update-Fähigkeit wäre jedes andere Vorgehen langfristig zum Scheitern verurteilt.

Was raten Sie Unternehmen, die erst am Anfang der Digitalisierung stehen?

Zur Umsetzung der Digitalisierung brauchen Sie zwei Währungen: Mit genug Geld und ausreichend Mut gelingt der Schritt in das Neue. Sehen Sie nicht nur den langen Weg vor sich, sondern beginnen Sie mit einem ersten Schritt! Vergessen Sie bei aller Digitalisierung nicht, dass der Mitarbeiter keine Maschine ist. Auch in der digitalen Welt werden Sie ihn mit Wertschätzung und Anerkennung am besten motivieren können.

 

 

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