2. Das digitale Unternehmen

Die Digitalisierung durchdringt alle Funktionen eines Unternehmens und macht vor keiner Branche halt. Wir stellen Ihnen in diesem Kapitel einige ausgewählte Unternehmensbereiche vor, die sich durch Industrie 4.0 besonders stark verändern können – mit Beispielen aus der Praxis.

2.4 Verwaltung

Eine smarte Fabrik funktioniert nur, wenn auch die übergeordneten Geschäftsprozesse digital werden. Viele Formulare lassen sich digital deutlich schneller und einfacher verarbeiten. Gerade hier liegt eine relevante Schnittstelle zum Kunden. Am Beispiel der großen Online-Händler wird ersichtlich, dass der Bestellvorgang durch ein Online-Formular sowohl zeitlich als auch bürokratisch erheblich verschlankt und damit im Sinne des Kunden auch erheblich beschleunigt wird.

Eine weitere Überlegung stellen cloud-basierte Officesysteme dar. Dadurch bekommen Mitarbeiter einerseits die Möglichkeit orts- und hardwareunabhängig ihre Dokumente abzurufen und zu bearbeiten. Andererseits kann eine ganze Personengruppe gleichzeitig miteinander an dem gleichen Dokument arbeiten und dies beispielsweise via Telefonkonferenz gemeinsam vervollständigen.

Interview mit Thorsten Kelp, Hofmann Druck + Medien GmbH zu der Umstellung ‎auf die vollständige Prozessvernetzung‎

Hofmann Druck + Medien hat die Produktionsprozesse und Qualitätssicherung vollständig vernetzt ‎und fertigt im Kundentakt. Was war das Ziel dieser Umstellung und wie sind Sie dabei vorgegangen?

„Die Druckindustrie ist seit Jahren einem großen Verdrängungswettbewerb ausgesetzt. Nur wer sich ‎den verändernden Rahmenbedingungen anpasst, kann hier überleben. Unser Ziel war es daher, durch ‎Automatisierung und Vernetzung die eigene Produktion völlig flexibel an den Bedarf und Takt unserer ‎industriellen Kunden anzupassen und die Qualitätssicherung zu perfektionieren. Gleichzeitig sollte der ‎Verwaltungsaufwand reduziert und die Zeitfenster zwischen Bestelleingang, Produktion und Lieferung ‎auf wenige Stunden zurückgefahren werden. ‎
Die Umstellung erfolgte über vier Jahre. Dazu skizzierten wir alle Datenströme der Prozesse und ‎prüften dieses Gedankenmodell zusammen mit unserem Kunden auf seine Umsetzbarkeit und ‎Nutzen. Die Umsetzung betrug fast zwei Jahre in denen wir mit Programmierern, Maschinenbauern, ‎unseren Mitarbeitern und vor allem mit unserem Kunden intensiv arbeiteten, bis der erste Testlauf ‎begann. Seit zwei Jahren laufen die Systeme produktiv und sehr erfolgreich.‎“

 

Auf welche Hindernisse sind Sie bei der Umstellung gestoßen?‎

„Die Vorstellung, alle benötigten Bausteine wären bereits auf dem Markt vorhanden, man müsse sie ‎nur zusammenfügen, ist sicherlich zu romantisch. Bei der Integration bestehender Systeme und ‎Softwaretools haben wir schnell gemerkt, dass eine individuelle Programmierung notwendig wurde. ‎Während wir essentielle Verknüpfungen inhouse programmieren konnten, waren wir auch auf ‎externe Programmierarbeiten angewiesen, um den gesamten Workflow „rund“ zu bekommen. Als ‎unvermutet großes Hindernis aber stellte sich die Entwicklung eines Konfektionier- und ‎Qualitätssicherungssystems als zentraler Baustein dar. Ein vergleichbares System gab es auf dem ‎Markt nicht. Zusammen mit einem Spezialmaschinenbauer konnten wir unsere Vision dann umsetzen.‎‎“

Wie hat sich die Umstellung ausgewirkt?

„Unser Gesamtkonzept nach Industrie 4.0 führte zu einer Win-win-Situation für uns und unsere ‎Kunden. Auch differenzieren wir uns durch den vernetzten Prozess deutlich vom Wettbewerb. Der ‎Prozess ist nachhaltig, umweltschonend und jederzeit auf Produkte anderer Gewerke skalier- bzw. ‎ausdehnbar und ermöglicht eine optimale Kundenpflege und Kundenbindung. Damit sichern wir die ‎Zukunft unserer Druckerei.‎“

 

Welchen Hinweis würden Sie Unternehmen geben, die sich mit den Möglichkeiten der Digitalisierung befassen?

„Das oft bemühte Zitat „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“ trifft es wohl leider am besten.‎
Jeder Unternehmer muss sich mit der Digitalisierung auseinandersetzen. Im B2B Bereich ist die ‎partnerschaftliche Zusammenarbeit von großer Bedeutung, denn Vertrauen lässt sich (Gott sei Dank) ‎nicht digitalisieren. ‎
Unserer Umstellung mit dem Kunden gingen 15 Jahre konsequente Prozessarbeit voraus, bei der ‎schon damals der Fokus auf größtmögliche Standardisierung lag.‎“

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